Februar 2012
13t. Febr. [1827]
Abend bey Niethammers. Fast alles war maskiert. Thiersch als Dr. Faust gab eine Art von Drama zum Besten, in welchem auch andre Personen, Professor Schmidlein als Prinz Carneval, sein nettes Frauelein, als Gretchen, Thiersch‘s Frau, Maler Förster und dessen Frauchen, eine Tochter Jean Paul‘s und Andre Rollen hatten. Drauf belustigte sich das junge Volk mit Tanzen bey einer Harfe. Ich, der seit der Burgdorfer Hühnersuppe von 1815 nicht mehr getanzt hatte, ward von der Hofräthin Vogel gefragt, warum ich denn nicht mitmache? Ich sagte, daß ich nicht einmal wisse, ob ichs noch könne. Ey doch! meinte sie. Nun - wollen Sie‘s mit mir wagen?, sagt‘ ich. O ja. So versuchte ich denn einen. Es gieng noch. Und zu dem einen kamen mit verschiednen Tänzerinnen wol noch ein halb Duzend andere.
Die Gesellschaft war gegen 100 Personen stark. Ich verließ sie gegen 1 Uhr, nicht ohne ein gewisses wohlthuendes Gefühl, daß ich dem Leben noch nicht ganz abgestorben.
(Johann Andreas Schmeller Tagebücher 1801 – 1852, 2. Band 1826 – 1852, hg. von Paul Ruf, München 1956, S. 35f.)